Kindergarten Waid im Hammerweg
Susanne Tröscher im Weinheimer Gemeinderat zum Thema
Für uns steht bei der Entscheidung über den Neubau zunächst die Frage der Bauweise im Mittelpunkt. Es geht nicht um Traumschlösser!
Wir halten eine kompakte, zweigeschossige Bauweise für besonders prüfenswert. Sie benötigt deutlich weniger Grundfläche als ein eingeschossiges Gebäude mit rund 1.000 Quadratmetern und bedeutet mehr wertvolle Garten- und Spielfläche für die Kinder .
Gerade bei einem Kindergarten ist die Außenfläche ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts. Wir wollen die Kinder nicht zu Stubenhockern machen.
Der vorhandene große Baumbestand ist dabei besonders wertvoll – nicht zuletzt als natürliche Beschattung in den zunehmend heißen Sommermonaten. Diese Bäume und möglichst viel zusammenhängende Spielfläche sollten unbedingt erhalten bleiben. Vielen Familien mit Kindern fehlt ein Garten zum Spielen.
Spielflächen auf dem Dach sehen wir dagegen als No-Go. Eine solche Lösung müsste zusätzlich barrierefrei erschlossen werden und benötigt entsprechende Erschließungsflächen. Durch die notwendige Einfriedung entsteht aus unserer Sicht schnell der Eindruck eines „Käfigs für die Kinder“. Zudem sehen wir noch nicht, wie sich eine attraktive Dachspielfläche mit einer gleichzeitig sinnvollen Nutzung des Daches für eine Photovoltaikanlage vereinbaren lässt.
Die energetische Qualität des Gebäudes muss stärker betrachtet werden. Bei einem eingeschossigen Gebäude mit rund 1.000 Quadratmetern Grundfläche ist die Außenfläche im Verhältnis zur Nutzfläche deutlich größer. Damit sind grundsätzlich höhere Wärmeverluste und entsprechend höhere Energieaufwendungen zu erwarten. Eine kompakte zweigeschossige Bauweise ist hier grundsätzlich energetisch günstiger.
Bei den Fenstern sollte auf ein sinnvolles Verhältnis von Fenster- zu Außenwandfläche geachtet werden. Schmale hohe Fenster können viel Tageslicht ins Gebäude bringen, ohne unnötig große Fensterflächen zu schaffen.
Bei der Dachform würden wir ein Steildach oder ein Satteldach einem Flachdach vorziehen – zum einen im Hinblick auf die Dauerhaftigkeit, zum anderen für eine sinnvolle und gut nutzbare Fläche zur Installation einer Photovoltaikanlage.
Die Energieversorgung muss ebenfalls zukunftsfähig geplant werden. Wir halten einen entsprechenden Kellerraum oder das Erdreich für eine Wärme- und Kältespeicherung in Verbindung mit einer Wärmepumpe für sinnvoll und bitten darum, dies in der weiteren Planung zu berücksichtigen.
Der Mehrzweckraum im Untergeschoss könnte beispielsweise über eine Rampe um das Gebäude herum erschlossen werden. Eine Aufzugsanlage ist aus unserer Sicht daher nicht zwingend die einzige Lösung. Hier müssen alternative Erschließungsmöglichkeiten geprüft werden.
Ein weiterer Punkt, der in der Vorlage aus unserer Sicht bislang nicht ausreichend dargestellt ist, betrifft die Geländesituation und die erforderliche Stützmauer zum Nachbargrundstück. Diese Maßnahme ist notwendig, um die entsprechende Bebaubarkeit herzustellen. Die damit verbundenen baulichen und finanziellen Auswirkungen sollten in der weiteren Planung und Kalkulation berücksichtigt und transparent dargestellt werden.
Bei einem Investitionsvolumen von 6-7 Millionen € muss eine belastbare und nachvollziehbare Kostenberechnung vorliegen. Die bisher vorliegenden Kostenschätzungen der einzelnen Varianten sind sehr grob.
Uns wurde zugetragen, dass bereits weitergehende Kalkulationen, unter anderem eine Grundlagenkalkulation des Planungsbüros, vorliegen. Diese sollten dem Stadtrat vor einer Entscheidung vollständig zur Verfügung gestellt werden. Nur so können die verschiedenen Varianten hinsichtlich Baukosten, Folgekosten und Wirtschaftlichkeit sachgerecht verglichen werden.
Aus unserer Sicht ist die Vorlage daher noch nicht abstimmungsreif. Zunächst sollten die offenen planerischen und finanziellen Fragen geklärt und die Varianten auf einer einheitlichen und belastbaren Grundlage gegenübergestellt werden.
Bevor heute eine Entscheidung über eine Variante getroffen wird, muss das Konzept nochmals gemeinsam mit den Eltern, sowie der IG Waid als Vertretung des Ortsteils, besprochen werden. Gerade bei einem Projekt dieser Größenordnung sollte die Planung möglichst breit getragen werden.
Aus unserer Sicht sind insbesondere Variante 1 und 2 weiterhin näher zu betrachten. Ziel muss ein zukunftsfähiger Kindergarten sein, bei dem möglichst viel wertvolle Außenspielfläche erhalten bleibt.
Wir empfehlen daher, heute noch keinen abschließenden Beschluss zu fassen, sondern die offenen Fragen zu Bauweise, Außenflächen, Energie, Erschließung, Geländesituation und Kosten zunächst zu klären und anschließend erneut zu beraten.
Die Beteiligung der Mitarbeiter des Kindergartens, die IG Waid (als Ortsteilvertretung) sowie die Eltern müssen dringend beteiligt werden.
Die IG Waid stellt – ähnlich einem Ortschaftsrat – schon seit der Eingemeindung die Repräsentanz der Bürger dieses Wohngebietes dar.