Ich bin gegen das Gewerbegebiet „Hintere Mult“ weil, damit

– wertvoller Ackerboden verloren ginge

– ein Naherholungsgebiet zerstört wäre

– ein Frischluftentstehungsgebiet, insbesondere für die Weststadt, verloren wäre

– zusätzlicher KFZ-Verkehr die gesamte Stadt belastet

– bestehende Betriebe noch schwieriger Fachkräfte finden

– die Nachfrage nach preiswertem Wohnraum zunimmt

Das ist die Kurzform

Nähere Erläuterung folgt hier:

Die Nachfrage nach Boden ist nach wie vor ungebrochen und verständlich. Weinheim ist beliebt. Anleger suchen weltweit nach Immobilien, um Geld einigermaßen krisensicher zu investieren.

Allein die starke Nachfrage nach Gewerbegrundstücken darf nicht zum Anlass genommen werden, ein neues Gewerbegebiet zu entwickeln. Vielmehr muss vorher genauestens untersucht werden, ob ein neues Gewerbegebiet

– der Stadt Weinheim Nutzen bringt,

– die Weinheimer Bevölkerung so etwas überhaupt haben will,

– langfristig der Stadt einen finanziellen Vorteil bringt,

– zu Verlusten auf anderen Ebenen führt.

Weinheim hat in den letzten 25 Jahren quasi nur den Langmaasweg als Gewerbegebiet neu ausgewiesen. Dennoch hat Weinheim gerade in dieser Zeit enorme Steigerungen bei den Gewerbesteuereinnahmen erfahren.

Weinheim hat derzeit eine gute Infrastruktur und viele attraktive Arbeitsplätze. Anstatt weiter zu expandieren, ist es nun an der Zeit eine Konsolidierung auf diesem Niveau anzustreben.

Dies ist wirtschaftlicher, weil keine zusätzlich zu pflegende Infrastruktur geschaffen wird. Alleine die anfallenden Planungskosten stellen eine nicht zu vernachlässigende Größe dar.

Bevor ein Gewerbegebiet „Hintere Mult“ entwickelt wird, muss eine Wirtschaftlichkeitsberechnung stattfinden, in der alle anfallenden Kosten, angefangen bei der Planung bis hin zur Pflege für mindestens 40 Jahre, berücksichtigt werden.

Die Versorgung der Weinheimer Bevölkerung mit Arbeitsplätzen ist aktuell kein Problem. Stand 14.04.2026 sind in Weinheim und dem unmittelbaren Einzugsgebiet etwa 12.600 offene Stellen in verschiedenen Online-Jobbörsen gelistet. Berücksichtigt man nur die Kernstadt ohne das Umland, liegt die Zahl der spezialisierten Angebote im niedrigen vierstelligen Bereich.

Sprich: Derzeit herrscht Fachkräftemangel. Fast alle Betriebe – auch die Stadt Weinheim – haben Probleme geeignete Arbeitskräfte zu bekommen. Werden nun noch weitere Arbeitsplätze in Weinheim geschaffen, wird es für die bestehenden Betriebe noch schwieriger.

Zudem sollte bedacht werden, dass momentan eine zusätzliche Aufheizung der Baukonjunktur, was durch ein weiteres Gewerbegebiet ohne Zweifel stattfindet, es gerade für die Stadt als Auftraggeber schwieriger wird, für eigene Baumaßnahmen Betriebe zu einem vertretbaren Preis zu finden.

Zunehmender Straßenverkehr bereitet schon heute gerade in den Hauptverkehrszeiten starke Probleme und Behinderungen. Bereits jetzt sind in den Verkehrshauptzeiten hohe Wartezeiten zu verzeichnen, welche die Verkehrsteilnehmer nur widerwillig hinnehmen. Unfälle an Knotenpunkten verursachen schon jetzt sehr häufig lange Staus und viel Ärgernis. Wer die sozialen Medien in Weinheim aufmerksam verfolgt kann dies unschwer feststellen.

Rettungsdienste haben heute schon Probleme ,dadurch die vorgeschriebenen Zeiten zum Erreichen der Unfallstellen zu erreichen. Verspätungen des ÖPNV werden dadurch ebenfalls verursacht.

Mehrere Anrainer der Olbrichtstrasse haben in ihren Anmerkungen während der frühzeitigen Beteiligung erwähnt, dass es bereits heute öfters nennenswerte Störungen an der Einmündung zum Multring gibt. Deshalb ist es nicht richtig, wenn von der Stadtverwaltung das Gegenteil ausgeführt wird.

Klimaschutz

Es sollte von den verantwortlichen in Weinheim keine weitere Maßnahme gestattet werden, welche die Klimaverhältnisse in Weinheim negativ beeinflusst. Die reduzierte Belüftung durch lokale Kaltluft und die abgeschwächte Abkühlung durch den Warmlufteintrag aus dem geplanten Gewerbegebiet kann aus klimaökologischer Sicht nicht akzeptiert werden.

Sollte es tatsächlich so sein, dass die planungsbedingten Leeeffekte auf Höhe des Sepp-Herberger-Stadions abgeklungen sind, was ich sehr in Zweifel ziehe, dann ist doch immerhin der Bereich bis da hin von einer klimaökologischen Verschlechterung betroffen. Also die Anwohner der Waidallee und tausende von Sportlerinnen und Sportlern in den Sporteinrichtungen. Da soll also sehenden Auges zum Nachteil von vielen Tausend Menschen eine Planung durchgefochten werden. Darf das sein? Nein, Gemeinderat und Verwaltung dürfen nur zum Vorteil für Weinheim und seine Bürger tätig werden.

Naherholung

Der hinteren Mult kommt als unbebaute Freifläche am Stadtrand, durch den mit der hohen Siedlungsdichte einhergehenden Erholungsdruck, eine Bedeutung für die Feierabend- und Naherholung zu.

Die Erholungseignung der Planungsgebietsfläche ist zwar bereits vorbelastet und eingeschränkt, aber dennoch hoch empfindlich gegenüber der Umnutzung als Gewerbegebiet.

Durch die Überbauung der bisher größtenteils landwirtschaftlich genutzten Flächen zwischen Stadtrand und ehemaliger Bahnlinie, gehen siedlungsnahe, wenn auch stark vorbelastete Naherholungsräume verloren.

Es ist deshalb nicht nachvollziebar, weshalb eine Zerstörung dieses Naherholungsraumes nur wegen dem Erweitungswunsch einiger weniger Gewerbetreibender erfolgen sollte.

Der Verweis auf den “Grünen Ring”, welcher durch das geplante Gewerbegebiet dann erreicht werden soll, löst das Problem nicht. Denn es wird in der Begründung nicht berücksichtigt, dass der Bereich Waidsee und schon jetzt hochfrequentiert von Erholungssuchenden ist. Kommt nun noch das neue Wohngebiet Allmendäcker hinzu, sowie die weitere Bebauung am Seeweg, wird die Dichte der Erholungssuchenden zunehmen und somit der Erholungseffekt geringer werden. Ebenfalls nicht berücksichtigt sind die steigenden Gästezahlen im Miramar, welche sich ebenfalls negativ auf die Erholung der Anwohner auswirken.